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Grenzen des Römischen Reiches: Unterschied zwischen den Versionen

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Aktuelle Version vom 13. Februar 2026, 18:30 Uhr

Der Limes bildete im 2. und 3. Jahrhundert n. Chr. auf einem etwa 550 km langen Abschnitt zwischen Rhein und Donau die Grenze des Römischen Reiches zum freien Germanien. Die Grenzbefestigung bestand aus Wällen, Palisaden, Mauern und einem ausgeklügelten Grenzsystem aus über 900 Wachtürmen und zahlreichen Kastellen. Der Limes ist ein eindrucksvolles Denkmal der europäischen Geschichte. Zum Welterbe »Grenzen des Römischen Reiches« gehören auch der Hadrianswall in Großbritannien und seit 2008 der Antoninuswall in Schottland.

Roms nördliche Grenze

Der Limes im Süden Deutschlands, die Große Mauer in China, Victoria Lines auf Malta und der Hadrianswall entstanden zwar in unterschiedlichen Jahrhunderten, doch der Gedanke, mit starken Mauern Angriffe von außen abzuwehren und das eigene Reich zu bewahren, ist ihnen gemeinsam.

Hoch in Englands Norden zeugen bis heute die Spuren eines einst mächtigen Mauerwerks, das sich den vorhandenen Höhenzügen anzupassen versteht, von der ursprünglichen Notwendigkeit, Roms Interessen im fernen Britannien zu sichern. Zwei Männer, so wird nicht nur auf einer Inschrift im Fort von Benwell überliefert, kamen zusammen, um das wohl gewaltigste Verteidigungswerk des Römischen Reiches aus der Taufe zu heben: der Statthalter Aulus Platorius Nepos und Kaiser Publius Aelius Hadrianus, ein Feldherr aus Überzeugung. Soldaten aus drei Legionen, so auch Flavius Carantinus, hinterließen ihre Namenszüge im gebrochenen Stein, aus dem sie das »antibarbarische Bollwerk« erbauten. Abgesehen von der Zeit unmittelbar nach Hadrians Tod, als die Grenze des Römischen Reiches weiter nach Norden verschoben wurde, blieb der Hadrianswall für über drei Jahrhunderte die Grenzbefestigung am Rande von Britannia Secunda. Sie überspannte die Landenge zwischen dem Tyne im Osten und der Meeresbucht von Solway im Westen: eine Entfernung von 80 Römischen Meilen, nach heutiger Rechnung etwa 118 Kilometer.

Der Hadrianswall war mehr als nur ein schnurgerades, aus Quadern errichtetes Mauerwerk: Ursprünglich wahrscheinlich etwa fünf Meter hoch, war die »Große Römische Mauer« nach etwa jeder Römischen Meile von kleineren Festungen durchbrochen, die den jeweiligen Durchlass durch den Schutzwall zu bewachen hatten. Zwischen diesen jeweiligen Stützpunkten standen nochmals zwei Wachtürme, die den Schutz der Nordgrenze des Römischen Reiches erhöhen sollten. In unregelmäßigen Abständen erbauten die römischen Baumeister, Steinmetze und Zimmerleute zusätzlich größere Forts mit einer Besatzung von 400 bis 800 bewaffneten Kriegern. Wie bedeutsam der Hadrianswall war, belegt die Tatsache, dass ein wesentlicher Teil der römischen Legionäre hier stationiert war, die aus unterschiedlichsten Teilen des Reiches - von der Nordseeküste ebenso wie auch aus dem fernen Zweistromland - angeworben worden waren.

Die unmittelbare Verteidigungsanlage wurde rückwärtig durch einen tiefen Graben ergänzt, der zu beiden Seiten von Wällen gesäumt wurde. Eine Straße entlang dem Hadrianswall diente der Verbindung der Verteidiger untereinander. Im Hinterland befanden sich zur Versorgung die Städte Corbridge und Carlisle, während bei South Shields an der Mündung des Tyne das Fort Arbeia erbaut wurde, das als Stapelplatz für Güter genutzt wurde, die aus dem Süden Britanniens oder vom europäischen Festland über das Meer herbeigeschafft wurden.

Nachdem die Grenze im 2. Jahrhundert in Richtung des heutigen Schottlands verschoben worden war, dauerte es zwei Dekaden, ehe der Hadrianswall wieder bemannt wurde. Für diese Entscheidung waren sicherlich Grenzstreitigkeiten mit dem nördlichen Nachbarn um das Jahr 180 maßgeblich. Ein Jahrhundert später mussten, möglicherweise als Folge eines natürlichen Verfalls, umfangreiche Ausbesserungen ausgeführt und die Verstärkung der bestehenden Anlage vorgenommen werden. Da in den folgenden Jahrzehnten die im Norden Englands stationierten Soldaten zunehmend an anderen Orten des Reiches und in den Provinzen Britannia Prima, Maxima Caesariensis und Flavia Caesariensis gebraucht wurden, wurde um 400 die nördliche römische »Grenzfestung« aufgegeben.

Auch heute noch, nach Jahrhunderten der Zerstörung und des Verfalls, ist der Hadrianswall, der hier und da auch als Steinbruch herhalten musste, als ein herausragendes Zeugnis der Macht des Römischen Reiches anzusehen. In ihrem Kernbereich überdauerten Reste des »römischen Schutzwalls« inmitten einer Landschaft sanft gekuppter Hügel und steil abfallender Höhenzüge. Am östlichen Ende, unweit von Tyneside, befinden sich wesentliche Überreste der »Römischen Mauern« noch im Erdreich. An anderen Orten hat das römische Verteidigungswerk als Erdschanze die Wirren der Zeit überdauert oder wartet noch auf die Wiederentdeckung durch ambitionierte Altertumsforscher.

Der Obergermanisch-Rätische Limes

Rund 100 Jahre diente der Obergermanisch-Rätische Limes als Grenzbefestigung des Römischen Reichs gegen das freie Germanien. Doch dem zunehmenden Ansturm der Völker und Stämme konnte auch dieses ausgeklügelte Grenzsystem letztendlich nicht standhalten. Mitte des 3. Jahrhunderts strömten Alemannen und andere Völker in das Gebiet des Römischen Reichs ein, das im Strudel der Völkerwanderung unterging.

Wenig Sichtbares ist von Europas größtem archäologischen Bodendenkmal heute übrig geblieben. Zwar folgen noch viele Straßen und Gemarkungsgrenzen dem Limesverlauf, Wall und Graben wurden aber über Jahrhunderte von Pflügen nivelliert und Mauersteine waren willkommenes Baumaterial. Dennoch ist der Verlauf auf den meisten Strecken noch exakt nachzuvollziehen: Auf einer Länge von fast 550 Kilometer zieht sich der Limes durch die Bundesländer Rheinland- Pfalz (75 km), Hessen (152 km), Baden-Württemberg (164 km) und Bayern (158 km). Neben zahlreichen römischen Relikten, die im Original erhalten sind, gibt es mittlerweile eine Reihe von Rekonstruktionen und Ausgrabungsfeldern.

Dem Bau als Grenze zwischen dem Machtbereich Roms und dem freien Germanien ging eine rund 150 Jahre andauernde Eroberungsgeschichte in mehreren Etappen voraus, die schließlich zwischen den Jahren 160 bis 260 n. Chr. im aufwendigen Ausbau dieser künstlichen Grenze zwischen Rhein und Donau gipfelte.

Nach der katastrophalen Niederlage in der Varusschlacht bei Kalkriese im Jahr 9 n. Chr. zogen sich die Römer an Rhein und Donau zurück. Hier grenzten sie ihre Provinzen dann gegen die germanischen Horden ab. Unter Kaiser Trajan wurden bis 117 n.Chr. erste Patrouillenwege angelegt.

Das erste Stück des Obergermanischen Limes wurde Ende des 1. Jahrhunderts in Rheinbrohl am Rhein gebaut. Im Rotenbachtal bei Schwäbisch Gmünd, wo die Provinzen Obergermanien und Rätien aneinander stießen, setzte sich dann der Rätische Limes fort, der schließlich in der Nähe von Regensburg endete. Die befestigte römische Grenzlinie südlich des Mains bis zur Donau entstand nach der Mitte des 2. Jahrhunderts und hatte rund 100 Jahre Gültigkeit. Auf der gesamten Länge standen etwa 120 Kastelle, 60 Feldlager und rund 900 Wachtürme. 35.000 Soldaten, in der Regel Angehörige unterworfener Völker, hatten die Aufgabe, die Grenze zu schützen.

Römische Ingenieure entwickelten aus den ersten einfachen Postenwegen ein ausgeklügeltes Grenzsystem mit Palisaden, Gräben, Wällen und Wachtürmen. Zunächst wurden Schneisen in den Wald gehauen und steinerne Wachtürme errichtet. Schließlich schützte eine Palisade vor einem Graben und einem zusätzlichen Erdwall den Grenzweg. Bei etwaigen Grenzverletzungen und überraschenden Überfällen konnten die Hilfstruppen in den Kastellen im Hinterland sofort mit Feuer- und Hornsignalen alarmiert werden.

Die bedeutendste und renommierteste Truppe am gesamten Limes war in Aalen im Osten des heutigen Baden-Württemberg stationiert. Es war Hauptsitz der Militärverwaltung im Bereich des Rätischen Limes. Die 1000 Reitersoldaten der dort stationierten „Ala II Flavia milliaria” galten als Eliteeinheit und ermöglichten die effektive Kontrolle weiter Grenzabschnitte.

Alle Kastelle hatten einen rechteckigen Grundriss und vier Tore. Im Innern standen die zentrale Exerzierhalle, einige Waffenkammern, die Verwaltung und das Fahnenheiligtum, dazu kamen das Wohnhaus des Kommandanten, zahlreiche Mannschaftsbaracken und die Getreidespeicher. Viele Kastelle verfügten auch über ein Lazarett sowie über Thermen.

Die militärische Grenze zum freien Germanien war für die Römer eine Demarkationslinie zwischen Zivilisation und Barbarei. Dennoch handelte es sich dabei um keinen „Eisernen Vorhang”, sondern nach neueren Erkenntnissen war sie auch als Wirtschaftsgrenze gedacht. So sollte sie sowohl den Güteraustausch zwischen den römischen Provinzen und Germanien als auch die enorme Anzahl der „Wirtschaftsflüchtlinge” regulieren. Insgesamt war der Austausch von Waren und Gütern zwischen Soldaten und Bewohnern auf der anderen Seite nicht unerheblich.

Im Zuge des großen Alemanneneinfalls um 259/260 mussten die Römer schließlich dem wachsenden Druck der eindringenden germanischen Völkerschaften nachgeben und zogen sich an Rhein und Donau zurück. Dort konnten sie sich noch bis um das Jahr 400 behaupten, bevor das Römische Reich durch innere Schwäche und im Zuge der Völkerwanderung gänzlich unterging.

Nach dem Abzug der römischen Truppen verfielen deren Grenzanlagen nach und nach und auch das Wissen um ihre Herkunft. Erst im 19. Jahrhundert setzte eine erste systematische Erforschung des Obergermanisch-Rätischen Limes ein, die schließlich mit dem Wiederaufbau der Saalburg im Taunus, des einzigen vollständig wieder aufgebauten Römerkastells, seinen exemplarischen Ausdruck fand. Seit 2005 gehört der Limes zum UNESCO-Weltkulturerbe.

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