Thüringer: Unterschied zwischen den Versionen
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Die '''Thüringer''' (lateinisch Thuringi, Tueringi oder Thoringi) waren ein Zusammenschluss germanischer Stämme, der ab dem Ende des 4. Jahrhunderts n. Chr. belegt ist. Im Verlauf des 5. Jahrhunderts bildeten sie ein ausgedehntes Königreich zwischen Rhein, Elbe und Donau, auf dessen Grundlage die heutige Region Thüringen ihren Namen erhielt. | Die '''Thüringer''' (lateinisch Thuringi, Tueringi oder Thoringi) waren ein Zusammenschluss [[Germanen|germanischer Stämme]], der ab dem Ende des 4. Jahrhunderts n. Chr. belegt ist. Im Verlauf des 5. Jahrhunderts bildeten sie ein ausgedehntes Königreich zwischen Rhein, Elbe und Donau, auf dessen Grundlage die heutige Region Thüringen ihren Namen erhielt. | ||
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Aktuelle Version vom 15. Februar 2026, 12:08 Uhr
Die Thüringer (lateinisch Thuringi, Tueringi oder Thoringi) waren ein Zusammenschluss germanischer Stämme, der ab dem Ende des 4. Jahrhunderts n. Chr. belegt ist. Im Verlauf des 5. Jahrhunderts bildeten sie ein ausgedehntes Königreich zwischen Rhein, Elbe und Donau, auf dessen Grundlage die heutige Region Thüringen ihren Namen erhielt.
Etymologie
Zur Herkunft des Namens Thüringer existieren verschiedene Hypothesen. Frühere Deutungen führten ihn auf die Hermunduren oder auf keltisch-germanische Turonen zurück, was heute weitgehend verworfen wird. Moderne sprachwissenschaftliche Analysen sehen den Stammesnamen als Ableitung eines germanischen Adjektivs thur- mit der Bedeutung „stark, groß, machtvoll“ und der Ableitung auf -ing, wodurch der Name die Stärke und Größe des Stammes betont. Eine Verbindung zu ostgermanischen Bezeichnungen oder der Ableitung von „Hügel“ gilt als wenig wahrscheinlich.
Entstehung der Thüringer
Das Siedlungsgebiet der Thüringer erstreckte sich nördlich des Thüringer Waldes und des Erzgebirges. Archäologische Befunde der sogenannten Naumburger Gruppe (300–60 v. Chr.) können erstmals mit einem antiken Volksnamen verbunden werden. Mit Beginn der Völkerwanderungszeit erscheint die Bevölkerung Mitteldeutschlands als Niemberger Gruppe, deren Bestattungen auf kleinen Gräberfeldern erfolgten. Vorgängerformationen der Thüringer werden in der Haßleben-Leuna-Gruppe gesehen. Wahrscheinlich vereinigten sich verschiedene eingewanderte germanische Gruppen, darunter Angeln und Warnen, mit einheimischen Siedlern zu einem Stammesverband, der später das Thüringerreich hervorbrachte. Hinweise auf diese Besiedlung finden sich in Ortsnamen wie Engilin, Werenofeld und den sogenannten Engelsdörfern. Das frühe Siedlungsgebiet der Thüringer umfasste Teile des heutigen Mitteldeutschlands zwischen Thüringer Wald, Unterlauf der Werra, Harz und Elbe.
Geschichte
Die Thüringer werden erstmals um 400 n. Chr. als Toringi in der Mulomedicina des spätantiken Autors Flavius Vegetius Renatus erwähnt, wobei ihre Kriegstauglichkeit, insbesondere die ihrer Pferde, hervorgehoben wird. Zu Beginn des 5. Jahrhunderts gerieten sie unter die Herrschaft der Hunnen und kämpften vermutlich in den Truppen Attilas bei der Schlacht auf den Katalaunischen Feldern 451. Nach dem Tod Attilas endete die Hunnenherrschaft, und die Thüringer konnten ihre Selbstständigkeit wiedererlangen.
Im späten 5. Jahrhundert führten die Thüringer gemeinsam mit den Alamannen Raubzüge entlang der Donau durch. Der erste historisch belegte König der Thüringer war Bisinus um 500. Das Thüringerreich erstreckte sich wahrscheinlich von der mittleren Elbe nach Süden bis über den Main hinaus. Die östlich gelegenen Gebiete unterstanden vor allem Beziehungen zu böhmischen Kulturgruppen. Gregor von Tours berichtet zudem von Thüringern, die linksrheinisch in Nachbarschaft zu den Franken lebten, wobei deren politische Eigenständigkeit in der neueren Forschung bezweifelt wird.
Nach Bisinus herrschten die Brüder Baderich, Herminafried und Berthachar. Während der fränkischen Expansion im frühen 6. Jahrhundert wurden Baderich und Berthachar vermutlich getötet, sodass Herminafried als letzter eigenständiger König verblieb. Er war mit der Gotin Amalaberga verheiratet, einer Nichte Theoderichs des Großen. Nach dem Tod Theoderichs 526 setzten die Merowinger ihre Expansion fort. In mehreren Schlachten, deren letzte um 531 an der Unstrut stattfand, besiegten die Franken das Volk der Thüringer. Ein Teil der thüringischen Bevölkerung wurde getötet oder deportiert, die Königsfamilie floh ins Exil. Die letzte bekannte Angehörige, Radegundis, starb 587 im fränkischen Exil und wurde später heiliggesprochen. Damit endete die politische Eigenständigkeit des Thüringerreichs, das in das fränkische Herrschaftsgebiet eingegliedert wurde.
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Literatur
- Günter Behm-Blancke: Gesellschaft und Kunst der Germanen. Die Thüringer und ihre Welt. Verlag der Kunst, Dresden 1973.
- Helmut Castritius u. a. (Hrsg.): Die Frühzeit der Thüringer: Archäologie, Sprache, Geschichte (Ergänzungsband zum Reallexikon der Germanischen Altertumskunde). de Gruyter, Berlin/New York 2009.
- Heike Grahn-Hoek: Stamm und Reich der frühen Thüringer nach den Schriftquellen. In: Zeitschrift des Vereins für Thüringische Geschichte 56, 2002, S. 7–90.
- Siehe Germanische Altertumskunde Online ← Artikelsuche
- Werner Mägdefrau: Geschichte Thüringens vom Untergang des Königreiches (531) bis zur Begründung der Landgrafschaft im 12. Jahrhundert. Selbstverlag, Jena 1998.
- Karl Peschel: Thüringen in ur- und frühgeschichtlicher Zeit. Beier & Beran, Wilkau-Haßlau 1994, ISBN 3-930036-03-7.
- Steffen Raßloff: Geschichte Thüringens. Beck, München 2010, ISBN 978-3-406-60523-9.
