

Legionen in der Varusschlacht: Unterschied zwischen den Versionen
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Die Legio XVII (17. Legion) war eine der drei römischen Legionen, die im Jahr 9 n. Chr. in der Varusschlacht unter Publius Quinctilius Varus vollständig vernichtet wurden. Sie wurde vermutlich um 41/40 v. Chr. unter Octavian, dem späteren Kaiser Augustus, während der Bürgerkriege aufgestellt. Eine direkte Verbindung zu den Legionen des Marcus Antonius oder den Bürgerkriegslegionen Caesars und Pompeius’ ist nicht nachweisbar, gilt jedoch in der Forschung als hypothetisch möglich. Nach der Schlacht von Actium im Jahr 31 v. Chr. war die Legion möglicherweise zunächst in Aquitanien stationiert, bevor sie um 15 v. Chr. an die strategisch wichtige Rheinfront verlegt wurde, wahrscheinlich zunächst ins Elsass und später an den Niederrhein. Hier befanden sich die Winterlager der Legion vermutlich in Vetera (heutiges Xanten), Oberaden oder Haltern, die als logistisch wichtige Stützpunkte dienten. | Die [[Legio XVII (17. Legion)]] war eine der drei römischen Legionen, die im Jahr 9 n. Chr. in der Varusschlacht unter Publius Quinctilius Varus vollständig vernichtet wurden. Sie wurde vermutlich um 41/40 v. Chr. unter Octavian, dem späteren Kaiser Augustus, während der Bürgerkriege aufgestellt. Eine direkte Verbindung zu den Legionen des Marcus Antonius oder den Bürgerkriegslegionen Caesars und Pompeius’ ist nicht nachweisbar, gilt jedoch in der Forschung als hypothetisch möglich. Nach der Schlacht von Actium im Jahr 31 v. Chr. war die Legion möglicherweise zunächst in Aquitanien stationiert, bevor sie um 15 v. Chr. an die strategisch wichtige Rheinfront verlegt wurde, wahrscheinlich zunächst ins Elsass und später an den Niederrhein. Hier befanden sich die Winterlager der Legion vermutlich in Vetera (heutiges Xanten), Oberaden oder Haltern, die als logistisch wichtige Stützpunkte dienten. | ||
In Germania magna nahm die Legio XVII aktiv an den Feldzügen des Drusus (13–9 v. Chr.) teil, die der Sicherung der römischen Herrschaft und der Eroberung neuer Gebiete auf dem Gebiet des heutigen Niederrheins und Westdeutschlands dienten. Später beteiligte sie sich an den Feldzügen Tiberius’ von 8 v. Chr. bis 5 n. Chr., die eine langfristige Stabilisierung der römischen Grenzregionen zum Ziel hatten. Im Jahr 6 n. Chr. wurde die Legion zusammen mit der I Germanica, V Alaudae, XVIII und XIX der nördlichen Heeresgruppe unterstellt, die gegen Marbod, den König der Markomannen, vorrückte. Dieser Feldzug wurde jedoch kurz nach Beginn abgebrochen, als der Pannonische Aufstand ausbrach. | In Germania magna nahm die Legio XVII aktiv an den Feldzügen des Drusus (13–9 v. Chr.) teil, die der Sicherung der römischen Herrschaft und der Eroberung neuer Gebiete auf dem Gebiet des heutigen Niederrheins und Westdeutschlands dienten. Später beteiligte sie sich an den Feldzügen Tiberius’ von 8 v. Chr. bis 5 n. Chr., die eine langfristige Stabilisierung der römischen Grenzregionen zum Ziel hatten. Im Jahr 6 n. Chr. wurde die Legion zusammen mit der I Germanica, V Alaudae, XVIII und XIX der nördlichen Heeresgruppe unterstellt, die gegen Marbod, den König der Markomannen, vorrückte. Dieser Feldzug wurde jedoch kurz nach Beginn abgebrochen, als der Pannonische Aufstand ausbrach. | ||
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Die Legio XVIII (18. Legion), auch unter der Schreibweise Legio XIIX bekannt, wurde vermutlich ebenfalls um 41/40 v. Chr. unter Octavian aufgestellt. Sie ist in den Quellen der Bürgerkriege nicht gesichert belegt, und eine Verbindung zu den Legionen Marcus Antonii oder den Bürgerkriegslegionen Caesars und Pompeius’ bleibt hypothetisch. Nach der Aufstellung wurden Veteranen der Legion möglicherweise um 30 oder 14 v. Chr. in der neu gegründeten Colonia Ateste in Norditalien angesiedelt, ein Vorgehen, das typisch für römische Legionen war, um Soldaten nach der Entlassung Land zu sichern und ihre Loyalität zu fördern. Anschließend könnte die Legion in Aquitanien stationiert gewesen sein, bevor sie um 15 v. Chr. an die Rheinfront verlegt wurde, wo Winterlager in Vetera, Oberaden oder Haltern eingerichtet wurden. | Die [[Legio XVIII (18. Legion)]], auch unter der Schreibweise Legio XIIX bekannt, wurde vermutlich ebenfalls um 41/40 v. Chr. unter Octavian aufgestellt. Sie ist in den Quellen der Bürgerkriege nicht gesichert belegt, und eine Verbindung zu den Legionen Marcus Antonii oder den Bürgerkriegslegionen Caesars und Pompeius’ bleibt hypothetisch. Nach der Aufstellung wurden Veteranen der Legion möglicherweise um 30 oder 14 v. Chr. in der neu gegründeten Colonia Ateste in Norditalien angesiedelt, ein Vorgehen, das typisch für römische Legionen war, um Soldaten nach der Entlassung Land zu sichern und ihre Loyalität zu fördern. Anschließend könnte die Legion in Aquitanien stationiert gewesen sein, bevor sie um 15 v. Chr. an die Rheinfront verlegt wurde, wo Winterlager in Vetera, Oberaden oder Haltern eingerichtet wurden. | ||
Die Legion nahm an den Germanienfeldzügen des Drusus (13–9 v. Chr.) und Tiberius (8 v. Chr.–5 n. Chr.) teil, die die Ausweitung der römischen Kontrolle und die Sicherung der Handelswege entlang des Rheins zum Ziel hatten. Im Jahr 6 n. Chr. gehörte die Legio XVIII zur nördlichen Heeresgruppe im Feldzug gegen Marbod, der die Hälfte des römischen Militärpotentials zu dieser Zeit beanspruchte. Kurz nach Beginn des Feldzugs musste Tiberius den Einsatz abbrechen, um sich auf den Pannonischen Aufstand zu konzentrieren. 9 n. Chr. war die Legio XVIII in Vetera stationiert, bevor sie in der Varusschlacht vollständig vernichtet wurde. | Die Legion nahm an den Germanienfeldzügen des Drusus (13–9 v. Chr.) und Tiberius (8 v. Chr.–5 n. Chr.) teil, die die Ausweitung der römischen Kontrolle und die Sicherung der Handelswege entlang des Rheins zum Ziel hatten. Im Jahr 6 n. Chr. gehörte die Legio XVIII zur nördlichen Heeresgruppe im Feldzug gegen Marbod, der die Hälfte des römischen Militärpotentials zu dieser Zeit beanspruchte. Kurz nach Beginn des Feldzugs musste Tiberius den Einsatz abbrechen, um sich auf den Pannonischen Aufstand zu konzentrieren. 9 n. Chr. war die Legio XVIII in Vetera stationiert, bevor sie in der Varusschlacht vollständig vernichtet wurde. | ||
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Die Legio XIX (19. Legion) wurde ebenfalls vermutlich um 41/40 v. Chr. unter Octavian aufgestellt. Ihre Verbindung zu den Bürgerkriegslegionen Caesars und Pompeius’ oder zur Legio XIX Classica Marcus Antonii ist hypothetisch. Nach der Schlacht von Actium könnte die Legion in Aquitanien stationiert gewesen sein, während Veteranen um 30 v. Chr. in der Gegend von Pisa angesiedelt wurden. | Die [[Legio XIX (19. Legion)]] wurde ebenfalls vermutlich um 41/40 v. Chr. unter Octavian aufgestellt. Ihre Verbindung zu den Bürgerkriegslegionen Caesars und Pompeius’ oder zur Legio XIX Classica Marcus Antonii ist hypothetisch. Nach der Schlacht von Actium könnte die Legion in Aquitanien stationiert gewesen sein, während Veteranen um 30 v. Chr. in der Gegend von Pisa angesiedelt wurden. | ||
Im Jahr 15 v. Chr. nahm die Legion an Feldzügen im mittleren Alpenraum teil, die Teil der römischen Expansion in den Alpenvorlanden waren. Dabei war sie der westlichen Heeresgruppe unter Tiberius zugeteilt, während die östliche Heeresgruppe unter Drusus operierte. Archäologische Ausgrabungen im Römerlager Dangstetten (1967) konnten die Anwesenheit der Legion anhand von militärischen Anhängern mit der Prägung XIX nachweisen. Weitere Funde, darunter gestempelte Katapultpfeilspitzen vom Döttenbichl bei Oberammergau, sowie Artefakte aus Augsburg und Mont Terri, bestätigen die Präsenz der Legion in der Region und ihre Beteiligung an den Alpenfeldzügen. | Im Jahr 15 v. Chr. nahm die Legion an Feldzügen im mittleren Alpenraum teil, die Teil der römischen Expansion in den Alpenvorlanden waren. Dabei war sie der westlichen Heeresgruppe unter Tiberius zugeteilt, während die östliche Heeresgruppe unter Drusus operierte. Archäologische Ausgrabungen im Römerlager Dangstetten (1967) konnten die Anwesenheit der Legion anhand von militärischen Anhängern mit der Prägung XIX nachweisen. Weitere Funde, darunter gestempelte Katapultpfeilspitzen vom Döttenbichl bei Oberammergau, sowie Artefakte aus Augsburg und Mont Terri, bestätigen die Präsenz der Legion in der Region und ihre Beteiligung an den Alpenfeldzügen. | ||
Version vom 24. Februar 2026, 16:07 Uhr



Als Legionen in der Varusschlacht werden jene Legionen bezeichnet, die in der Varusschlacht den germanischen Stämmen unter Arminius zum Opfer fielen. Die 17., 18. und 19. Legion (XVII, XVIII und XIX) wurden im Jahr 9 n. Chr. in der sogenannten Varusschlacht vollständig vernichtet. Diese militärische Katastrophe ereignete sich im rechtsrheinischen Germanien unter dem Oberbefehl des Statthalters Publius Quinctilius Varus und gilt als ein Wendepunkt in der römischen Expansionspolitik. Die antiken Hauptquellen, insbesondere Tacitus und Cassius Dio, bilden die Grundlage der historischen Rekonstruktion. Der genaue Ort der Ereignisse ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Traditionell wird die Schlacht im Teutoburger Wald verortet, während zahlreiche archäologische Funde auf das Gebiet von Kalkriese im nördlichen Wiehengebirge hinweisen.
Historischer Hintergrund
Nach den Feldzügen des Drusus und des Tiberius hatte das Römische Reich große Teile Germaniens bis zur Elbe militärisch erschlossen. Unter Kaiser Augustus wurde das Ziel verfolgt, das Gebiet als reguläre Provinz in die römische Verwaltungsstruktur einzugliedern. Publius Quinctilius Varus wurde im Jahr 7 n. Chr. als Statthalter eingesetzt, um die römische Ordnung durchzusetzen und Tribute zu erheben. Dabei stützte er sich auf germanische Eliten, unter ihnen Arminius, der als Offizier in römischen Diensten stand und das römische Bürgerrecht besaß.
Arminius nutzte seine militärische Ausbildung und sein Wissen um römische Taktiken, um einen koordinierten Aufstand vorzubereiten. Er vereinte mehrere germanische Gruppen gegen die römische Herrschaft und plante einen Angriff, der auf Täuschung und Geländeausnutzung beruhte. Die römische Führung unterschätzte offenbar sowohl die Entschlossenheit als auch die organisatorischen Fähigkeiten der Aufständischen.
Verlauf der Ereignisse im Jahr 9 n. Chr.
Im Spätsommer oder frühen Herbst des Jahres 9 n. Chr. befand sich Varus mit den drei Legionen XVII, XVIII und XIX sowie Hilfstruppen und einem umfangreichen Tross auf dem Marsch von seinem Sommerlager in Richtung Rhein. Die Gesamtstärke des Verbandes wird auf etwa 15.000 bis 20.000 Soldaten geschätzt. Hinzu kamen zahlreiche Zivilisten, Händler, Handwerker und Angehörige der Truppen, wodurch sich der Zug stark verlängerte und verlangsamte.
Arminius berichtete von einem angeblichen Aufstand in einem entlegenen Gebiet und überzeugte Varus, einen Umweg durch bewaldetes und schwer zugängliches Gelände zu nehmen. Während er sich offiziell entfernte, um Verbündete herbeizuführen, schloss er sich in Wirklichkeit den aufständischen Kräften an.
Die römischen Truppen bewegten sich in langgestreckter Marschordnung durch ein Gebiet mit Wäldern, Sümpfen und engen Passagen. Nach den Berichten Cassius Dios setzte schlechtes Wetter mit starkem Regen und Sturm ein. Die Wege wurden aufgeweicht, Wagen blieben stecken, und die militärische Ordnung geriet zunehmend ins Wanken. In dieser Situation begannen die germanischen Krieger mit koordinierten Angriffen aus dem Hinterhalt.
Die Kämpfe dauerten vermutlich drei bis vier Tage. Es handelte sich nicht um eine einzelne, klar abgegrenzte Feldschlacht, sondern um eine Serie von Gefechten entlang einer Marschroute. Die Römer versuchten wiederholt, befestigte Nachtlager anzulegen, doch sie konnten keine stabile Schlachtordnung herstellen. Immer wieder griffen die germanischen Verbände aus dem Schutz des Geländes an, zogen sich zurück und unterbrachen den römischen Vormarsch.
Am letzten Kampftag erreichten die Reste der römischen Truppen offenbar eine Engstelle, die in der modernen Forschung häufig mit Kalkriese in Verbindung gebracht wird. Dort deuten Wallanlagen und zahlreiche Funde von Waffen, Münzen und Ausrüstung auf ein intensives Gefecht hin. Die römische Kommandostruktur brach zusammen, viele Offiziere fielen, und Varus beging angesichts der ausweglosen Lage Selbstmord. Die Legionen wurden vollständig aufgerieben, ihre Feldzeichen gingen verloren.
Ort der Schlacht
Die Frage nach dem genauen Ort der Varusschlacht ist seit Jahrhunderten Gegenstand wissenschaftlicher Diskussion. Der traditionelle Bezug auf den Teutoburger Wald geht auf frühneuzeitliche Gelehrte zurück, die antike Ortsangaben mit dieser Region identifizierten. Diese Deutung wurde durch nationale Erinnerungskultur weiter gefestigt.
Seit den archäologischen Entdeckungen in Kalkriese ab dem späten 20. Jahrhundert gilt jedoch dieser Fundort für viele Forscher als wahrscheinlichster Schauplatz der Hauptkampfhandlungen. Die Funde umfassen römische Münzen aus der Zeit des Augustus, militärische Ausrüstungsgegenstände, Knochenreste und Spuren einer Wallanlage, die als Teil einer germanischen Sperrstellung interpretiert wird. Dennoch bleibt offen, ob es sich um den zentralen Ort der Entscheidung oder lediglich um einen Abschnitt einer längeren Kampfzone handelte.
Dauer und militärische Struktur der Kämpfe
Die antiken Quellen berichten von einem mehrtägigen Geschehen. Die Mehrheit der modernen Forschung geht von drei bis vier Kampftagen aus. Die Gefechte unterschieden sich grundlegend von einer klassischen römischen Feldschlacht in geschlossener Formation. Stattdessen handelte es sich um eine Abfolge von Hinterhalten, Abnutzungskämpfen und Nahgefechten in unübersichtlichem Gelände.
Die römischen Legionen waren auf den Kampf im offenen Feld ausgerichtet und konnten ihre taktische Überlegenheit unter diesen Bedingungen nicht entfalten. Die germanischen Krieger nutzten ihre Ortskenntnis, bewegliche Kampfweise und vorbereitete Sperranlagen. Der Verlust der Kommandostruktur sowie der zunehmende moralische Zusammenbruch führten schließlich zur vollständigen Vernichtung der drei Legionen.
Folgen
Die Niederlage hatte tiefgreifende politische und militärische Konsequenzen. Kaiser Augustus soll der Überlieferung nach den Verlust seiner Legionen beklagt haben. Die Nummern XVII, XVIII und XIX wurden im römischen Heer nie wieder vergeben.
In den folgenden Jahren führte Germanicus mehrere Feldzüge rechts des Rheins durch, um die Niederlage zu rächen und verlorene Feldzeichen zurückzugewinnen. Eine dauerhafte Eingliederung Germaniens bis zur Elbe wurde jedoch nicht mehr angestrebt. Stattdessen stabilisierte Rom die Rheingrenze als dauerhafte Grenze des Reiches.
Die Vernichtung der 17., 18. und 19. Legion zählt zu den schwersten militärischen Niederlagen der römischen Geschichte. Sie markiert das Ende der augusteischen Expansionspolitik in Nordwesteuropa und prägte das Verhältnis zwischen Rom und den germanischen Gruppen nachhaltig.
Die Legionen
Legio XVII
Die Legio XVII (17. Legion) war eine der drei römischen Legionen, die im Jahr 9 n. Chr. in der Varusschlacht unter Publius Quinctilius Varus vollständig vernichtet wurden. Sie wurde vermutlich um 41/40 v. Chr. unter Octavian, dem späteren Kaiser Augustus, während der Bürgerkriege aufgestellt. Eine direkte Verbindung zu den Legionen des Marcus Antonius oder den Bürgerkriegslegionen Caesars und Pompeius’ ist nicht nachweisbar, gilt jedoch in der Forschung als hypothetisch möglich. Nach der Schlacht von Actium im Jahr 31 v. Chr. war die Legion möglicherweise zunächst in Aquitanien stationiert, bevor sie um 15 v. Chr. an die strategisch wichtige Rheinfront verlegt wurde, wahrscheinlich zunächst ins Elsass und später an den Niederrhein. Hier befanden sich die Winterlager der Legion vermutlich in Vetera (heutiges Xanten), Oberaden oder Haltern, die als logistisch wichtige Stützpunkte dienten.
In Germania magna nahm die Legio XVII aktiv an den Feldzügen des Drusus (13–9 v. Chr.) teil, die der Sicherung der römischen Herrschaft und der Eroberung neuer Gebiete auf dem Gebiet des heutigen Niederrheins und Westdeutschlands dienten. Später beteiligte sie sich an den Feldzügen Tiberius’ von 8 v. Chr. bis 5 n. Chr., die eine langfristige Stabilisierung der römischen Grenzregionen zum Ziel hatten. Im Jahr 6 n. Chr. wurde die Legion zusammen mit der I Germanica, V Alaudae, XVIII und XIX der nördlichen Heeresgruppe unterstellt, die gegen Marbod, den König der Markomannen, vorrückte. Dieser Feldzug wurde jedoch kurz nach Beginn abgebrochen, als der Pannonische Aufstand ausbrach.
Die Legio XVII wurde zusammen mit der XVIII und XIX in der berühmten Clades Variana (Varusschlacht) vernichtet. Der Verlust der Legionen führte zu einer tiefen Schockwirkung im römischen Reich, da ganze Heeresgruppen ausgelöscht wurden. Der Legionsadler (Aquila) der Legio XVII konnte erst 16 n. Chr. von Germanicus im Rahmen der Rachefeldzüge zurückerobert werden. Schriftliche Quellen über die Legion sind äußerst spärlich; als einziges mögliches Zeugnis gilt ein kleiner militärischer Anhänger aus Helellum südlich von Argentoratum (Straßburg). Die Legio XVII symbolisiert damit die Risiken und Verwundbarkeit römischer Streitkräfte in neu eroberten Grenzgebieten und bietet gleichzeitig Einblicke in die militärische Organisation der frühen Kaiserzeit.
Legio XVIII
Die Legio XVIII (18. Legion), auch unter der Schreibweise Legio XIIX bekannt, wurde vermutlich ebenfalls um 41/40 v. Chr. unter Octavian aufgestellt. Sie ist in den Quellen der Bürgerkriege nicht gesichert belegt, und eine Verbindung zu den Legionen Marcus Antonii oder den Bürgerkriegslegionen Caesars und Pompeius’ bleibt hypothetisch. Nach der Aufstellung wurden Veteranen der Legion möglicherweise um 30 oder 14 v. Chr. in der neu gegründeten Colonia Ateste in Norditalien angesiedelt, ein Vorgehen, das typisch für römische Legionen war, um Soldaten nach der Entlassung Land zu sichern und ihre Loyalität zu fördern. Anschließend könnte die Legion in Aquitanien stationiert gewesen sein, bevor sie um 15 v. Chr. an die Rheinfront verlegt wurde, wo Winterlager in Vetera, Oberaden oder Haltern eingerichtet wurden.
Die Legion nahm an den Germanienfeldzügen des Drusus (13–9 v. Chr.) und Tiberius (8 v. Chr.–5 n. Chr.) teil, die die Ausweitung der römischen Kontrolle und die Sicherung der Handelswege entlang des Rheins zum Ziel hatten. Im Jahr 6 n. Chr. gehörte die Legio XVIII zur nördlichen Heeresgruppe im Feldzug gegen Marbod, der die Hälfte des römischen Militärpotentials zu dieser Zeit beanspruchte. Kurz nach Beginn des Feldzugs musste Tiberius den Einsatz abbrechen, um sich auf den Pannonischen Aufstand zu konzentrieren. 9 n. Chr. war die Legio XVIII in Vetera stationiert, bevor sie in der Varusschlacht vollständig vernichtet wurde.
Die Aquila der Legion wurde 41 n. Chr. unter Kaiser Claudius von Germanicus zurückerobert, was als symbolische Wiederherstellung römischer Ehre und militärischer Macht gilt. Namentlich bekannte Angehörige der Legion sind der Militärtribun Caius Pompeius Proculus aus Rom, der in der Varusschlacht gefallene Centurio Marcus Caelius und der einfache Soldat Titus Atidius Porcio aus Ateste. Die Legion illustriert die enge Verknüpfung von römischer Militärpolitik, territorialer Expansion und der Integration von Veteranen in Kolonien, zugleich aber auch die hohen Verluste, die das römische Grenzheer erleiden konnte.
Legio XIX
Die Legio XIX (19. Legion) wurde ebenfalls vermutlich um 41/40 v. Chr. unter Octavian aufgestellt. Ihre Verbindung zu den Bürgerkriegslegionen Caesars und Pompeius’ oder zur Legio XIX Classica Marcus Antonii ist hypothetisch. Nach der Schlacht von Actium könnte die Legion in Aquitanien stationiert gewesen sein, während Veteranen um 30 v. Chr. in der Gegend von Pisa angesiedelt wurden.
Im Jahr 15 v. Chr. nahm die Legion an Feldzügen im mittleren Alpenraum teil, die Teil der römischen Expansion in den Alpenvorlanden waren. Dabei war sie der westlichen Heeresgruppe unter Tiberius zugeteilt, während die östliche Heeresgruppe unter Drusus operierte. Archäologische Ausgrabungen im Römerlager Dangstetten (1967) konnten die Anwesenheit der Legion anhand von militärischen Anhängern mit der Prägung XIX nachweisen. Weitere Funde, darunter gestempelte Katapultpfeilspitzen vom Döttenbichl bei Oberammergau, sowie Artefakte aus Augsburg und Mont Terri, bestätigen die Präsenz der Legion in der Region und ihre Beteiligung an den Alpenfeldzügen.
Später wurde die Legio XIX nach Niedergermanien verlegt, mit möglichen Zwischenstationen in Köln und zeitweisen Lagern in Haltern, wo unter anderem ein Bleibarren mit der Inschrift LXIX gefunden wurde, der die Legion eindeutig identifiziert. Im Jahr 6 n. Chr. war die Legion Teil der nördlichen Heeresgruppe im Feldzug gegen Marbod. Im Jahr 9 n. Chr. wurde sie zusammen mit den Legionen XVII und XVIII in der Varusschlacht vernichtet. Der Legionsadler wurde 15 n. Chr. von Germanicus zurückerobert.
Archäologische und chemische Untersuchungen von Buntmetallfunden in Kalkriese, Dangstetten und Haltern konnten die Legion eindeutig nachweisen und liefern neue Erkenntnisse zur genauen Lokalisierung der Varusschlacht. Namentlich bekannte Angehörige der Legio XIX sind der Militärtribun Gnaeus Lerius, Centurio Sextus Abulenius sowie mehrere Veteranen, deren Inschriften in Italien gefunden wurden. Die Legion verdeutlicht die strategische Bedeutung der Rheinfront für Rom, die logistische Organisation römischer Feldheere und die Folgen katastrophaler Niederlagen an der Grenze.
Siehe auch
- Germanen, germanische Völker, Germanien (Wissenschaft, Forschung, Lehre) | Andreas A. F. W. H. Ulrich sen. (Wulfrich)
- Tacitus’ Germania | Andreas A. F. W. H. Ulrich sen. (Wulfrich)
- Germanen | Andreas A. F. W. H. Ulrich sen. (Wulfrich)
- Germanische Völker | Andreas A. F. W. H. Ulrich sen. (Wulfrich)
- Germanien | Andreas A. F. W. H. Ulrich sen. (Wulfrich)
- Varusschlacht
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