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Hermunduren

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Die germanischen Völker um das Jahr 50 n. Chr.
Darstellung der germanischen Völker zwischen Jahren 50 und 100 n. Chr.

Die Hermunduren waren ein germanischer Volksstamm, der zur Gruppe der Elbgermanen (Herminonen) gezählt wird und sich am Oberlauf der Elbe niederließ. In den römischen Quellen werden sie den Sueben zugerechnet und als loyal gegenüber Rom beschrieben. Ihre Nachbarstämme waren laut Tacitus die Narister, Markomannen und Quaden.

Römische Kaiserzeit

Vermutlich um 3 v. Chr. wurden Teile der Hermunduren durch den römischen Feldherrn Lucius Domitius Ahenobarbus in das Gebiet am Main umgesiedelt, das zuvor von den Markomannen aufgegeben worden war. Unter die Oberhoheit des markomannischen Königs Marbod geraten, standen sie im Jahr 5 n. Chr. einem römischen Heer unter Tiberius an der Elbe gegenüber, wobei es zu keinen militärischen Auseinandersetzungen kam. Nach dem Aufstand von Arminius 17 n. Chr. wurde Marbod vom Goten Katualda gestürzt und floh ins römische Exil.

Im Jahr 51 n. Chr. beteiligten sich die Hermunduren unter Fürst Vibilius an Kämpfen an der Donau, in denen der Usurpator Katualda gestürzt wurde. Für das Jahr 58 n. Chr. wird ein Sieg der Hermunduren über die Chatten in einer sogenannten Salzschlacht überliefert, vermutlich im Zusammenhang mit den Salzquellen an Werra oder Saale. Zwischen 166 und 180 n. Chr. sind die Hermunduren als Teilnehmer der Markomannenkriege dokumentiert, in denen sie sich den aufständischen Markomannen und Quaden gegen Kaiser Marcus Aurelius anschlossen.

Archäologische Funde

In Thüringen wurden zahlreiche Fundstücke elbgermanischer Herkunft entdeckt, darunter Fibeln, Eisenwaffen, Terrinen, Schalenurnen und Keramik mit Rädchenverzierungen, die häufig den Hermunduren zugeschrieben werden. Es wird angenommen, dass sich die Hermunduren von der Elbe her nach Süden und Südwesten ausbreiteten und dabei auf die dort siedelnden Kelten trafen, mit denen sie sich entweder vermischten oder die sie verdrängten.

Bei Großromstedt in Thüringen wurde ein bedeutendes germanisches Brandgräberfeld aus der späten vorrömischen Eisenzeit (2. Hälfte des 1. Jahrhunderts v. Chr.) und der frühen Kaiserzeit ausgegraben. Die Ausgrabungen fanden zwischen 1907 und 1913 statt. Dieses Fundensemble gab der sogenannten Großromstedter Kultur, die früher mit den Hermunduren in Verbindung gebracht wurde, ihren Namen.

Hermunduren und Thüringer

Über etwa 300 Jahre gibt es keine direkten Nachrichten über die Hermunduren, was auf eine Abwanderung schließen lässt. Im 4. und 5. Jahrhundert n. Chr. drangen Stämme wie die Angeln und Warnen aus dem Norden in das ehemalige Siedlungsgebiet der Hermunduren ein. Weitere Zuwanderer bildeten schließlich den Stammesverband der Thüringer. Noch um 800 wurde das von den fränkischen Besatzern aufgezeichnete Gesetzeswerk der Thüringer als Lex Angliorum et Werinorum hoc est Thuringorum bezeichnet.

Die ältere Annahme einer direkten Kontinuität zwischen Hermunduren und Thüringern wird in der modernen Forschung hinterfragt. Die Hermunduren lassen sich in den Quellen nur rechts der Elbe und im Donauraum nachweisen, nicht jedoch in den heutigen Kerngebieten des Freistaates Thüringen oder des völkerwanderungszeitlichen Thüringerreiches. Daher gelten hermundurische Stammeszugehörigkeiten im thüringischen Raum vor der Reichsbildung der Thüringer als nicht überliefert.

© 2026 Andreas A. F. W. H. Ulrich sen. (Wulfrich) (dt. Germ.)

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